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Deserteursgrab Nordfriedhof

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Tote ohne Lobby? Die Ruhestätte für die Opfer der Wehrmachtsjustiz auf dem Dresd

In einer entlegenen Ecke des Friedhofes ruhen 136 zwischen 1941 und 1943 hingerichtete Wehrmachtsangehörige. Die zu DDR-Zeiten erst 1956 angelegte Sammelgrabstätte wird selten besucht und spielt im erinnerungspolitischen Diskurs in Dresden bisher keine Rolle.

Beschreibung

Carola Ilian(Künstlergruppe Pink Tank) im Gespräch mitNorbert Haase (Dresdner Historiker),Wolfgang Oleschinski (Gedenkstättenleiter DIZ Torgau) undRene Senenko(Sprecher Bündnis Hamburger Deserteurdenkmal)

Die Nationalsozialisten hielten eine allzu lasche Militärjustiz für eine Ursache der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Sie führten die 1920 abgeschaffte Militärgerichtsbarkeit 1934 wieder ein und verschärften die Gesetze seit 1938 sukzessive. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden rund 25.000 Todesurteile aufgrund von Delikten wie Kriegsdienstverweigerung,Desertion, Wehrkraftzersetzung, Hoch-, Landes- und Kriegsverrat gefällt. Die gesellschaftliche Stigmatisierung sowie die sozialrechtliche Diskriminierung dieser Justizopfer bestanden auch nach dem Krieg fort, wobei es natürlich Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gab. Während man die Wehrmachtsdeserteure in der DDR zu antifaschistischen Kämpfern stilisierte, wurde ihnen im Westen eine Rehabilitierung, Entschädigung oder gar Anerkennung lange verweigert. Dies änderte sich erst im Rahmen der Friedensbewegung ab den 1980er Jahren. Das 1998 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur Rehabilitierung von Opfern der Militärjustiz (2002 und 2009 novelliert) führte dazu, dass inzwischen alle Verurteilungen wegen der o.g. Delikte pauschal für ungültig erklärt wurden. Dieses politische und gesellschaftliche Umdenken schuf schließlich auch Raum für die Errichtung neuer Denkzeichen. Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 30 Denkmäler, die den Opfern der Wehrmachtsjustiz gewidmet sind.

Gleichwohl ist die gegenwärtige Situation paradox: Einerseits gibt es mittlerweile eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Erinnerungsorte, diediese Opfergruppewürdigen. Andererseits leiden diese Monumente häufig unter Nichtbeachtung im Alltag. Sie scheinen nahezu unsichtbar, haben keine Breitenwirkung über einschlägige (Fach-) Kreise hinaus und es gibt kaum ein öffentliches Bewusstsein für sie. Dieser Befund lässt sich ohne weiteres auf die Ruhestätte für die Opfer der Wehrmachtsjustiz auf dem Dresdner Nordfriedhof übertragen. In einer entlegenen Ecke des Friedhofes ruhen 136, zwischen 1941 und 1943 hingerichtete, Wehrmachtsangehörige. Diezu DDR-Zeiten erst 1956 angelegte Sammelgrabstätte wird selten besucht und spielt im erinnerungspolitischen Diskurs in Dresden bisher keine Rolle.

Die Veranstaltung möchte auf diesen Umstand hinweisen und einen Beitrag dazu leisten, das Gedenken an die Wehrmachtsdeserteure in der lokalen Erinnerungskultur weiter zu etablieren und die Sichtbarkeit dieser seit Jahrzehnten existierenden Gedenkstätte zu erhöhen.

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Die Veranstaltung ist Bestandteil der Reihe „Unbequeme Denkmäler“ und wird in Kooperation mit dem Dresdner Geschichtsverein e.V. durchgeführt.

Die Reihe widmet sich Denkmalentwürfen und realisierten Denkmalen, die strittig waren oder es aus heutiger Sicht sind. Die Beispiele reichen dabei vom Kriegerdenkmal des Ersten Weltkrieges bis zu nicht realisierten Entwürfen der Gegenwart. Diskutiert werden soll über deren Potential, Nutzung und Erhaltung.

Location

Stadtmuseum Dresden
Wilsdruffer Straße 2
01067
Dresden
Deutschland
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Preis

Kostenlose Veranstaltung

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